Giovanni Cerri: Corona-Chronik

Die Corona-Chronik des Mailänder Malers Giovanni Cerri (*1969) ist der zweite künstlerische Beitrag, der sich im Kunst-Monat von KUNOs 10jährigem mit der Pandemie beschäftigt.

Veranstaltungsort
Langwedel - Etelsen
kunoweb.de/2022/01/26/gio/

Veranstalter
Kultur im Norden - KUNO

Kontaktadresse
Paul Kroker
Etelser Str. 17B
27299 Langwedel
04235 92829
kulturimnorden@gmail.com
https://www.kunoweb.de/

Termine
Fr, 25.02.2022 - Sa, 25.02.2023

Veranstaltungsart
Ausstellungen

Die Corona-Chronik des Mailänder Malers Giovanni Cerri (*1969) ist der zweite künstlerische Beitrag, der sich im Kunst-Monat von KUNOs 10jährigem mit der Pandemie beschäftigt. Nach Regina Zacharskis Ausstellung von digitalen Werken, ist Cerris Kunst völlig analog produziert. Er beginnt mit seinen ersten Skizzen und Zeichnungen schon im Februar 2020 und ist dann damit den ganzen harten Lockdown im damaligen norditalienischen Frühling beschäftigt.

Den Künstler, der immer schon in der hektisch-quirligen Atmosphäre der Metropole Mailand lebt und arbeitet, macht besonders betroffen die plötzliche Leere auf Straßen und Plätzen sowie die eigenartig fremde Stille, nur zerrissen durch die gellenden Sirenen der Krankenwagen Tag und Nacht. Dann noch das harte Ausgangsverbot, das nicht mal einen kleinen Spaziergang erlaubt, nur aufgehoben ist für einen Besuch im Supermarkt oder beim Arzt. Auf sich selbst zurückgeworfen, ohne sein Atelier, greift Giovanni zum Stift und macht sich zeichnerische Notizen für spätere Gemälde. Unmittelbare Eindrücke und Gefühle zu verarbeiten, ist das eine in jenen Tagen, Wochen und Monaten. Das andere, sich der Pest nicht nur als aktuelles Geschehen von Plage, Leid und Tod anzunehmen, sondern auch als historisches Phänomen und also nach Quellen jeder Art zu suchen, nach historischen Dokumenten, Bildern, Fotos und Literatur, um Spuren der Pest in der Vergangenheit ausfindig zu machen. Dabei stößt er auf die Geschichte der Schandsäule von Mailand vom großen Romancier und Goethe-Freund Alessandro Manzoni, der vom tragischen Ende zweier Unschuldiger erzählt, die 1630 wegen angeblicher Verbreitung der Pest denunziert und schließlich nach einem haarsträubenden Prozess grausam hingerichtet werden. Die Angst vor Pest und Tod saß den Zeitgenossen vor fast vierhundert Jahren wahrlich im Nacken.

Und so ist auch ein Bild von Giovanni Cerri wie Triumph des Todes (Nr. 98 aus dem Zyklus Diario della pandemia) kein Zufall, denn es ruft natürlich die Corona-Totentransporte von Bergamo ins Gedächtnis sowie gleichfalls Motive der europäischen Bildenden Kunst und in diesem Fall ganz besonders ein gleichnamiges großes Fresko in einem Kirchenraum unweit eben der lombardischen Stadt Bergamo. Rückgriffe auf die Kunstgeschichte verdichten und vertiefen die eigenen fast flüchtig anmutenden Arbeiten zur Pandemie, so die Nr.113 aus dem genannten Zyklus, eine direkte Anspielung auf Der vierte Stand (1901) von Pellizza da Volpedo, auf "diese Menschenmenge, die so dicht beieinander, Seite an Seite kompakt marschiert, als wäre sie ein einziger Körper. In jenen Monaten zwischen März und April erlebten wir das komplette Gegenteil: Distanz, Abstand, maximale Kontaktbeschränkung, Ausgangsverbote". Und Cerri gibt auch noch einen weiteren persönlichen Beweggrund an, Künstler anderer Jahrhunderte zu zitieren, die ja im Lockdown gleichfalls isoliert waren in ihren publikumsleeren Museumssälen.
Zu Hause beginnen sich mittlerweile seine eigenen Bilder zu stapeln. Da lädt ihn ein italienischer Kunstkenner ein, doch schon mal eine Auswahl seiner Zeichnungen in einem Kulturverein in der Provinz von Varese auszustellen, bevor es Monate später dann zur großen Gemäldeschau nach San Francisco geht, die erst in diesem Februar zu Ende geht, kurz vor der Online-Schau bei KUNO.

Mitte letzten Jahres dann wurde in einem ZOOM-Gespräch mit dem Künstler vereinbart, auf der Basis dieser beiden letzten Ausstellungen in realen Räumen mit den dazu veröffentlichten Katalogen eine virtuelle Schau im Jubiläumsjahr von KUNO zu veranstalten. Gesagt, getan, nun ist es soweit.
Schon vor Jahren, 2013/14 nämlich, gab es bei KUNO eine Cerri-Ausstellung, die erste Einzelausstellung auf kunoweb.de überhaupt und im Archiv natürlich noch immer zugänglich.
Dass bestimmte Motive und Stadtlandschaften bei den aktuellen Arbeiten wiederkehren, überrascht kaum. Denn der urbane Kontext mit seinen elenden Peripherien ist ja ein Zentralthema in der künstlerischen Auseinandersetzung dieses Malers, das nun nach sieben Jahren mit diesen drei Corona-Ausstellungen ein Ende findet, wie er selbst im Interview bekennt. Hier ist er jetzt mit seinen Arbeiten online:

Giovanni Cerri, Corona-Chronik. Ab 25.Februar, 00.00, auf kunoweb.de/2022/01/26/gio/

 

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